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Vom Reschke in die Traufe.




An Michael Reschke erinnert sich in Stuttgart niemand gern. Der ehemalige VfB-Sportvorstand war der beste Talentscout weltweit, der größte Stratege ever und am Ende auch ein besserer Trainer als alle Übungsleiter, die unter ihm dienen durften. Zumindest dachte er selbst das. Nur logisch, dass er auch gleich die Medienarbeit selbst übernahm und dabei leidenschaftlich das herausstellte, was er am meisten liebte: sich selbst.


So weit, so Mislintat, mit dem rein formalen Unterschied, dass dieser nicht einmal Sportvorstand ist, sondern nur einer von gut 10 Direktoren. Sportvorstand ist (theoretisch) Alexander Wehrle, der (ebenfalls theoretisch) auch Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG ist und in dieser Funktion (man ahnt es: theoretisch) auch für die Lizenzspielerabteilung, also die Bundesliga-Mannschaft, zuständig wäre.


Aus unerfindlichen Gründen wird Sven Mislintat beim VfB aber trotz Wehrles Amtsgewalt in der Außenwahrnehmung quasi das komplette Feld überlassen: Mislintat kauft und verkauft Spieler und stellt den Kader zusammen (mit sein Job). Mislintat sucht den neuen Trainer (höchstens mit sein Job). Mislintat spricht fast immer und überall für den VfB (nicht wirklich sein Job). Und: Mislintat nimmt sich gerne auch mal einen Spieler vor der Einwechslung zur Brust und klärt ihn darüber auf, was auf dem Feld zu tun ist (mitnichten sein Job). Da kann er noch so oft darüber plaudern, wie klasse „der Michi“ das alles macht, unter Mislintat bleibt Co-Trainer Co-Trainer, immer nach dem Motto „le VfB c‘est moi“, das war auch schon mit „Rino“ so.


Präsidenten, Vorstände, Aufsichtsräte, Vereinsbeiräte und Trainer mögen wechseln, Mislintat bleibt so sicher wie der bald alljährliche Abstiegskampf. Warum eigentlich? Seit er für den Kader verantwortlich ist, geht es jedenfalls rein faktisch bergab. In 119 Bundesligaspielen unter Mislintats Sportdirektorenherrschaft hat der VfB durchschnittlich 1,2 Pünktlein pro Spiel erkickt, inklusive 2. Liga (!). Vorletzte Saison waren es 1,3, letzte 0,9, diese bislang 0,7 pro Partie. Kontinuität ist also vorhanden, nur nach unten halt.


Trotzdem sind Teile der Fans ganz berauscht von Sveni, dem „Big Mislinboswki“ wie ihn der Vertikalpass liebestoll taufte um dann festzustellen: „Sven Mislintat liefert hart ab, jetzt fehlt eigentlich nur noch eines: Erfolg!“ Der will sich leider auch in Jahr 4 mit ihm nicht einstellen, und das obwohl, um es in seinen Worten zu sagen, „der SC Freiburg unser Vorbild ist“. Dass der seit längerem sportlich bessere baden-württembergische Club in 3 Saisons 12 Spieler von anderen Vereinen und 11 aus der eigenen Jugend in die Mannschaft geholt hat und Sven Mislintat in gleichen Zeitraum sagenhafte 34 Spieler aus aller Herren Länder und gerade 8 aus dem eigenen Nachwuchs, bleibt dabei konsequent unerwähnt. Ist das schon massive Wahrheitsbeugung à la Reschke durch Weglassen?


Wie lange sich die Gremien des VfB Stuttgart das alles noch weiter ansehen (und -hören), aus lauter Angst vor Online-Petitionen und Vertragsverlängerungsforderungen weiß-roter Sven-Groupies, man weiß es nicht. Sicher ist aber: ob Perlentaucher oder Diamantenauge, ob kölsches oder pottiges trara, der VfB, er bleibt dem Abstieg immer nah.


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